Revolutionszeit und 19. Jahrhundert

1794

Eine bündnerische Volkserhebung gegen politische und wirtschaftliche Missbräuche und Aristokaratenherrschaft der Drei Bünde nimmt ihren Anfang in Degen und Morissen. Im Vorjahr hatte es eine schlechte Ernte gegeben. Österreich hatte ein Verbot erlassen die Bündner Getreide importieren zu lassen welches wegen dem grossen Mangel benötigt wurde. In der Folge sind die Preise für die Ernährung der Bevölkerung drastisch gestiegen. Am 11. Februar 1794 ist eine Anzahl von Bauern aus Morissen und aus Degen vor Gericht erschienen, welches sich in Vella versammelt hatte. Sie verlangten Rechenschaft, warum es so wenig Getreide gebe und warum die Preise für das Getreide und für das Salz so massiv gestiegen seien. Ausserdem wollten sie wissen, warum die Kasse der Drei Bünde leer sei. Es gelang ihnen, auf den 17. Februar 1794 eine Landsgemeinde einzuberufen. Dort wurde eine Liste mit 18 Punkten vorgelegt um die Forderungen im Zusammenhang mit der ökonomischen Armut zu klären. Die erbärmliche Verwaltung des Landes wird kritisiert und es werden Vorschläge gemacht, wie man die Lage verbessern könnte. Die Unzufriedenheit hat sich im ganzen Kanton Graubünden verbreitet. Die Folge ist eine ausserordentliche Tagung der Drei Bünde und das böse Gericht in Chur gewesen. Der Beschluss der konstituierenden Tagsatzung hat den revolutionären Charakter jener Zeit, es ist jedoch nicht gelungen, das politische System der Drei Bünde grundlegend zu ändern. Wenige Jahre später sind die Änderungen von Napoleon Bonaparte diktiert worden. Das Veltlin ist im Jahre 1797 der Republica Cisalpina angegliedert worden, Graubünden ist ein Kanton der Republik Helvetica geworden (Friedensvertrag von Lunéville zwischen Frankreich und Österreich 1801, Mediationsakte 1803).

1799

Der Landsturm der Surselva erleidet bei Tamins gegen die französischen Truppen eine vernichtende Niederlage. Etwa 70 Lugnezer und Valser werden getötet.

1800 bis zum ersten Weltkrieg

Die Schwabengängerei. Lugnezer Kinder von 8 – 15 Jahren ziehen im März nach Schwaben um bei den Bauern zu arbeiten. Im November kehren sie wieder nach Hause zurück. Im Sommer 1849 arbeiten 356 Kinder aus dem Lugnez im Schwabenland. In Graubünden konnte die Landwirtschaft die Bevölkerung kaum ernähren. Viele Familien schickten  Kinder nach Bayern und Württemberg, wo sie auf Bauernhöfen als billige Arbeitskräfte gebraucht wurden. Sie leisteten Arbeit beim Vieh hüten oder als landwirtschaftliche Helfer. Die Schwabenkinder legten vor allem in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts Fussmärsche von bis zu 200 km und zwei Wochen Dauer zurück. Der Reiseproviant musste vielfach erbettelt werden. Unterwegs schliefen die Kinder auf Bauernhöfen oder Wirtshäusern. Den Weg traten die Kinder jährlich im Februar oder März an. Kinder, deren Reise nach Südwürttemberg und Südbaden führte, überquerten den Bodensee von Bregenz aus auf einem Sonderschiff. Nach der mühsamem Reise versammelten sie sich auf so genannten Kindermärkten, die in vielen süddeutschen Städten abgehalten wurden, so auch in Ravensburg, Friedrichshafen und Überlingen am Bodensee. Auf diesen auch „Sklavenmärkte“ genannten Treffen suchten sich Bauern die notwendigen Arbeitskräfte und verhandelten den Lohn. Kinder, die keinen Dienstherrn fanden, mussten wieder in die Heimat zurück kehren. Manche kamen an einen guten Ort, andere gerieten an schlechte Plätze und wurden geschlagen und misshandelt. Viele Kinder aus dem Bündner Land verstanden kaum deutsch, da sie rätoromanisch sprachen. Am 11. November, dem Martinstag, endete die Dienstzeit.

1801 / 1802

Erstbesteigung von Piz Aul und Piz Terri durch Pater Placidus a Spescha, Benediktiner von Disentis und Verwalter des Benefiziums des Klosters Disentis in Rumein 1801 – 1803. Bereits im Jahre 1789 erreichte er als erster den Rheinwaldhorn.

1840

Grossbrand in der Gemeinde Vella. Am 20./21. Juli 1840 brennen im Gebiet Cadorcat 8 Häuser mit 15 Wohnungen und 6 Ställe nieder.

1841

Eröffnung einer kantonalen Postablage in Ilanz, die auch das Lugnez bedient. Erste Lugnezer Postablage 1853 in Cumbel. Vella folgt 1868, Vignogn, Vrin und Lumbrein 1871, Vattiz 1887. Private Ablagen bestanden schon früher im Lugnez.

Zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts

Viele Auswanderer, vor allem in die USA und nach Frankreich. Im „Jahr der Vielen“ 1854, hat eine grosse Anzahl die Surselva verlassen, davon haben sich 150 Personen auf der französischen „St. Paul“ eingeschifft, um über den Atlantik nach New York zu gelangen. Als im Jahre 1882 die Bahn durch den Gotthardtunnel eröffnet wurde, hat sich die ökonomische Situation in Graubünden nochmals verschlechtert, nachdem ein grosser Teil des Transitverkehrs und somit eine wichtige Einnahmequelle verloren gingen.

1850

Eidgenössische Volkszählung. Die Gemeinde Vella zählt gerade mal 229 Einwohner. Eidgenössisches Gesetz betreffend Heimatlosigkeit. Zwangseinbürgerungen und Armenunterstützung werden für einige Gemeinden des Kreises Lugnez zu einer grossen finanziellen Belastung.

1851

Mit dem Gesetz über die Einteilung des Kantons Graubünden in Bezirke und Kreise, welches sich auf die kantonale Verfassung vom 12 November 1814 stützt, und welches auf den 1. April 1851 in Kraft gesetzt wird, werden 14 Bezirke, 39 Kreise und 227 Gemeinden gebildet. Der Kreis Lugnez umfasst seitdem die zwei vormaligen Gerichte, Lumnezia und Vals, mit 16 Gemeinden. Die Tätigkeit der neuen Kreise wird auf die Gerichtsbarkeit beschränkt, während die Nachbarschaften, welche den Gerichten angehören, die neuen Gemeinden bilden. Aufgrund des Briefes vom 23. September 1524 der Drei Bünde hatten 48 Gerichte in Graubünden geamtet. Die Gesamtheit der Gerichte war die oberste Autorität der Republik. Jedes Gericht hatte je nach Grösse eine oder zwei Stimmen. Das Gericht Lumnezia umfasste die Gemeinden Camuns, Cumbels (Cumbel), Duvin, Furth (Uors), Igels (Degen), Lumbrein, Morissen, Neukirch (Surcuolm), Oberkastels (Surcasti), Peiden, St. Martin, Tersnaus, Vigens (Vignogn), Villa (Vella) und Vrin. Die Nachbarschaften waren Untersektionen der Gerichte und waren vor allem Gemeinschaften, welche den öffentlichen Grund und Boden, die Wälder, Weiden und Alpen nutzten.

1853

Drei Mal wöchentlich kommt ein Briefträger zu Fuss von Cumbel und Ilanz bis Vella, und von dort zwei Mal wöchentlich bis Vrin.

1854

Am 1. Februar 1854 geht eine neue Kantonsverfassung in Kraft. Die neue eidgenössische Verfassung vom 6. November 1848 verlangte eine Anpassung der kantonalen Verfassung an der eidgenössischen Ordnung. Die Gerichte im Kanton Graubünden sperrten sich gegen eine Reform der kantonalen Verfassung aus dem Jahre 1814. In den Jahren 1850 und 1851 wurden zwei Vorschläge abgelehnt, weil sie die Mehrheit von zwei Dritteln der Gerichte nicht erreicht hatten. Im Versuch, die eidgenössischen Behörden zufrieden zu stellen, welche immer ungeduldiger geworden waren, stellte ihnen der Kanton Graubünden die kantonale Verfassung aus dem Jahre 1814 mit den Teiländerungen der letzten Jahre zu. Die Bundesversammlung hat es abgelehnt einer solchen Verfassung zuzustimmen. Deshalb hat der Grosse Rat ein neues Verfassungsprojekt erarbeiten müssen, welches von den Gemeinden am 30. November 1853 mit 58 gegen 9 Stimmen angenommen wurde. Die Bundesversammlung hat diese Verfassung genehmigt und auf den 1. Februar 1854 in Kraft gesetzt. Bis anhin war die Gesamtheit der Gerichte Trägerin der Souveränität. Diese wurde an die Gesamtheit der Wähler übertragen. Eine Sektion der kantonalen Verfassung vom Jahre 1854 befasste sich mit den Gemeinden, die sich aus den Nachbarschaften entwickelt hatten. Diese Gemeinden wurden vom öffentlichen Recht als Grundlage der neuen politischen Ordnung anerkannt. In der neuen kantonalen Verfassung werden anstelle der Bünde, hohen Gerichte und Gerichtsgemeinden die Bezirke, Kreise und Gemeinden eingesetzt. Vella, Lumbrein und Uors werden die Versammlungsorte der Landsgemeinde.

1859

Verbot des Söldnerwesens durch ein Bundesgesetz. Seit mehr als dreihundert Jahren haben viele Bündner Dienst unter fremdem Banner geleistet, wie in Frankreich, Österreich, Holland, Spanien und Piemont. Familien aus der Surselva stellten Offiziere, welche nach der Rückkehr vom Dienst Pensionen bezogen, welche den Familien einen gewissen Wohlstand sicherstellten. Der bekannteste Lugnezer Offizier in fremden Diensten ist wohl General Joseph Laurent von Mont, 1746 in Frankreich geboren. Ihm wurde die zweifelhafte Ehre zuteil, 1799 ein französisches Truppenkontingent gegen seine eigene Heimat zu führen. Er ist zum Divisionsgeneral und Pair de France avanciert. Die meisten Kriegsknechte mussten jedoch froh sein, wenn sie mit dem Leben davonkamen. Das letzte grössere Bündner Kriegskontingent hat im militärischen Kriegszug Napoleons in Russland gekämpft. Die meisten dieser Auswanderer sind nicht mehr zurückgekehrt.

1867

Eröffnung eines Postbüros in Vella.

1868

Hochwasser. Am stärksten wird Vals von den Überschwemmungen betroffen. Nicht weniger als 10 Häuser, 20 Ställe und zwei Schreinereien, eine Mühle, und eine Schmiede werden verwüstet, 15 Häuser und 9 Ställe beschädigt, das Beinhaus und ein Teil des Friedhofes werden weggeschwemmt, keine einzige Brücke steht mehr. Die Talsohle ist fast vollkommen zerstört. Unwetter und Hochwasser sind bereits aus früherer Zeit überliefert. So spricht man von Katastrophen in Graubünden und in den Schweizer Alpen in den Jahren 1627, 1697,1725, 1745, 1762, 1817, vor allem 1834 und nach dem Jahre 1868 wieder in den Jahren 1888, 1927, 1954, 1987, 2002.

1870

Eröffnung eines Telegrafiebüros in Vella.

1872 / 1873

Bau der Verbindungsstrasse Ilanz – Valgronda mit einer Abzweigung nach Peiden – Bad und Uors.

1874

Beginn der Aufforstungen am Piz Mundaun mit Geldern der Escherwald - Stiftung.

1876

Die drei Quellen in Peiden - Bad werden neu gefasst. Das im Jahre 1852 gebaute Hotel bietet sechzig Gästen Platz. Ein neues Kurhaus wird im Jahre 1891 erstellt.

1878 / 1879

Ausbau der Strasse Uors – Vals.

1880

Täglich verkehrt eine Postkutsche zwischen Ilanz und Vals.

1886 / 1887

Ausbau der Talstrasse Valgronda – Vrin. Mit dem Bau der Strassen nach Vrin und Vals verliert der Verkehr über die Greina und den Valserberg an Bedeutung. Ilanz wird der wichtigste Umschlagplatz der Talschaft.

1887

In Vella wird eine Sekundarschule mit zwei Klassen eingeführt.

1899

Aufforstung Uaul Pign.

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